Wissenswertes über die Stadtbibliothek Malchin

 

Von der Volksbücherei zur Stadtbibliothek
113 Jahre Bibliotheksgeschichte in Malchin

Bereits Mitte der 70er Jahre des 19. Jahrhunderts gab es in unserer Stadt in der Hothanschen Buchhandlung eine gewerbliche Leihbücherei, ebenso eine Bibliothek des Städtischen Realgymnasiums mit ca. 1000 Bänden. Wie zu dieser Zeit üblich unterhielten auch Vereine Bibliotheken, so auch der Malchiner Gewerbeverein (ca. 1000 Bände) und der Handwerker – Verein (ca. 800 Bände, Zeitschriften- Lesezirkel).
Der Vorläufer unserer heutigen Malchiner Bibliothek mit freiem Zugang für alle ist jedoch in der von Prof. Hamdorff gegründeten Volksbücherei zu sehen. Er war um 1880 Lehrer am Realgymnasium in der Lindenstraße und Befürworter der Volksbildungsbewegung. 1000 Bände waren in einem Bibliothekszimmer der Stadtschule in drei Schränken untergebracht. Pro Buch und Woche wurden 3 bis 5 Pfennig Leihgebühr erhoben, Mitglied konnte jeder durch einen Jahresbeitrag von 1 Mark werden. Damit erwarb man die Berechtigung, wöchentlich ein Buch zu entleihen. Prof. Hamdorffs Initiative ist es zuzuschreiben, dass der Volksbücherei 1901 mit Unterstützung der Landesregierung eine Wanderbücherei angegliedert werden konnte. Diese Kreiswanderbücherei hatte zwei Standbüchereien. Unter nebenberuflicher Leitung wurden 80 bis 100 Bände für 9 Monate ausgeliehen. Von dieser Versorgung konnten 1929 17 Ortschaften (1930 = 19) profitieren. Diese Art der Buchversorgung für das Umland ist der Vorläufer für den späteren Kreisleihverkehr mit seinen Austauschbeständen gewesen.

 

Die konsequenten Bemühungen Prof. Hamdorffs um eine öffentliche Leihbücherei in Malchin können nicht hoch genug eingeschätzt werden, heißt es doch in einem von Erich Strenge aus dem Jahr 1919 veröffentlichten Artikel über das Büchereiwesen in Mecklenburg, dass die Volksbücherei in Malchin neben einer Einrichtung in Wismar als einzige ihrer Art zu diesem Zeitpunkt bestanden hat.
 

 

Broschüre 100 Jahre Bibliothek MalchinEingebettet in die allgemeine Stadtgeschichte fand in den vergangenen 113 Jahren eine unglaubliche Verwandlung der Bibliothek statt: Von einer Bücherei mit drei Bücherschränken hin zu einer Ausleihe auf 450 Quadratmetern mit ca. 27.000 Medien.

 

Viele Male musste die Bibliothek innerhalb der Stadt in andere Räume umziehen, aus Platzgründen wurden ab 1959 Erwachsenen- und Kinderbuchbestand räumlich getrennt angeboten. Das blieb auch so bis 1994, als die Stadtbibliothek in die ehemalige Schülergaststätte einziehen konnte. Die Erwachsenenbibliothek war für fast dreißig Jahre in der Steinstraße 5 untergebracht, obwohl bereits mit dem Einzug dort bald klar war, dass die baulichen Bedingungen für die Unterbringung von Buchbeständen nicht geeignet waren. Doch unter den sozialistischen Bedingungen war es trotz des massiven Einsatzes durch die Leiterin der Stadt- und Kreisbibliothek Ruth Linde sowie den Bürgermeister Willi Autenrieb nicht möglich, hier Abhilfe zu schaffen. Erst nach der Wende mit der Verfügung des Gewerbeaufsichtsamtes zur Schließung der Stadtbibliothek in der Steinstraße aus sicherheitstechnischen Gründen wurden die Voraussetzungen für den Umbau der ehemaligen Schülergaststätte zur Begegnungsstätte und zum Medienzentrum geschaffen. Die baulichen Veränderungen wurden auch genutzt, um im Herbst 1994 drei Computerarbeitsplätze und einen Rechercheplatz für die Benutzer einzurichten. Ab Januar 1997 konnte dann die Ausleihe per Computer starten.
In den vergangenen Jahrzehnten standen neben Büchern nach und nach auch andere Medien zur Ausleihe bereit: Zeitschriften, Schallplatten, Kassetten, CD, Videos, Computerspiele und DVD. Diese Angebote trafen auf ein reges Interesse der Nutzer. Zwischen 40.000 und 50.000 Medien werden jährlich von ihnen entliehen.
Die Malchiner Stadtbibliothek präsentiert sich seit 1994 in den neuen großzügigen Räumen als eine Einrichtung, die für jedes Alter etwas zu bieten hat. Der Ausleihbetrieb, viele Lesungen mit Schriftstellern, Ausstellungen und auch musikalische Abende machen die Stadtbibliothek in enger Zusammenarbeit mit dem Förderverein „Malchiner Bibliotheksfreunde“ e.V. mit alljährlich ca. 14.000 Besuchern zur am höchsten frequentierten kulturellen Einrichtung unserer Stadt.

Sie leistet damit einen nicht wegzudenkenden Beitrag für die Entwicklung des einzelnen und der kommunalen Gemeinschaft, für Bildung und Kultur, für das gesamte geistig-kulturelle und damit auch das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben in unserer Stadt.

 

 

113 Jahre Malchiner Bibliotheksgeschichte im Überblick

1898 Am 13.11.1898 Gründung der Volksbücherei in der Stadtschule
1927 Unterbringung der Volksbücherei in der Wargentiner Str. 2
1946 Wiederaufbau der Volksbücherei im Rathaus
1952 Bildung einer „Kreisstelle für Bibliothekswesen“ beim Rat des Kreises
1955 Zusammenschluss beider Einrichtungen zur „Stadt- und Kreisbibliothek“
1959 Kinderbuchbestand zieht in die Pastinakelstraße Nr. 7
1961 Umstellung von der „gebundenen Ausleihe“ zur „Freihandausleihe“
1962 Kinderbibliothek zieht zurück ins Rathaus und verbleibt dort bis 1991
1964 Umzug der Erwachsenenbibliothek in die Steinstraße und Verbleib dort bis 1993
1970 Ausbildung des 1. Lehrlings in der Stadt- und Kreisbibliothek
1976 Eröffnung einer Phonotek mit den ersten Schallplatten
1978 Erweiterung der Phonotek mit Kassetten
1984 zusätzliche Räume (der ehemaligen Drogerie Balck) in der Steinstraße
1989 Die „Wende“: umfangreiche Aussonderungen sowie Buchspendeaktionen
1991 Kinderbibliothek zieht vom Rathaus in die Kellerräume der KITA „Borstel“ Am Zachow
1992 Einsatz einer Fahrbibliothek zur Versorgung des Kreisgebietes
1993

Trägerschaftswechsel:
Stadtverwaltung Malchin – Stadtbibliothek Malchin
Kreisverwaltung Malchin - Fahrbibliothek

Schließung der Stadtbibliothek in der Steinstraße durch Gewerbeaufsichtsamt

 

Gründung des Fördervereins „Malchiner Bibliotheksfreunde“ e.V.

1994

Umbau der Schülergaststätte; Eröffnung als Begegnungsstätte und Medienzentrum

1995

Beginn mit Verleih von Videos; CD-ROM Ausleihe folgt 1996

1997

Ausleihe mittels Computer; OPAC-Rechercheplatz für Benutzer

1998

Einrichtung eines Internet-Platzes

2001

Beginn mit DVD- Ausleihe

2004

Neugestaltung des Mitarbeiter-Büros

2006

Umsystematisierung des gesamten Sachbuchbestandes auf aktuelle KAB

2008

Organisation von zwei großen Bücherflohmärkten

2009

Renovierung des Veranstaltungsraumes

2010



2013

Erstmalige Beteiligung am landesweiten Projekt „FerienLeseClub“


Verleihung des Titels "Bibliothek des Jahres Mecklenburg-Vorpommerns"





  

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